Jannes von Lintel

Wer im deutschen Investmentbanking eine Vakanz auf LinkedIn ausschreibt, bekommt nach sieben Tagen oft mehr als hundert Bewerbungen. „Das ist überhaupt kein Indiz, dass das Passende dabei ist", sagt Jannes von Lintel im Voices-of-M&A-Gespräch am Rande der M&A Excellence Days 2026. Der Gründer der Frankfurter Headhunting-Boutique VentureLink Partners hat dafür harte Zahlen parat: Weniger als zehn Prozent der Bewerbenden passen wirklich auf das Profil, „relevant sind eher zwei bis drei Prozent". Manche Kunden bekämen mehrere tausend Bewerbungen pro Jahr – und müssten dennoch suchen.

Lintels Diagnose des Marktes 2026 ist eindeutig: „Arbeitgebermarkt, 100 Prozent." Gerade im Investmentbanking sei das Verhältnis kippig zugunsten der Häuser. Doch der eigentliche Engpass ist nicht der, den viele vermuten. Beim Einstiegslevel gebe es „extrem viele Bewerbungen, auch gute" – Bachelor, Master, gute Noten, Praktika. Wo es wirklich klemmt, ist das Mid-Level: Manager, VPs, Senior-Associates – die Schicht, die Execution beherrscht und strategisch denken kann, Mitarbeiter führt und Bindeglied zwischen C-Level und Junioren ist. „Das ist das Schwierigste", sagt Lintel. „Das meiste Suchprofil." Der Grund: Viele steigen nach zwei, drei, vier Jahren aus dem Investmentbanking aus, weil die Realität – 60, 70, 80-Stunden-Wochen – mit dem Branchen-Image kollidiert. „Man sieht George Clooney im Porsche rumfahren, denkt, das ist Leben. Realität ist: lange Nächte, wenig soziales Umfeld."

Beim Nachwuchs beobachtet Lintel klare Profil-Verschiebungen: KI- und Daten-Affinität rücken nach vorn, Kunden wollen Profile, die früher „Origination" beherrschen – also Kundenakquise, nicht nur Execution. Den KI-Hype selbst sieht er nüchtern: „Es flacht extrem ab. Alle benutzen AI – aber so richtig umgesetzt wurde es noch nicht." VentureLink nutze KI im Recruiting, „am Ende des Tages muss aber immer die richtige Person verstehen und auswerten können."

Lintels Schlussformel: „Timing und Disziplin sind wichtiger als Talent." Wer das Richtige immer wieder mache und nicht aufgebe, komme ans Ziel. Und sein eigener Maßstab: „Bei uns ist der Mensch der Deal."

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