Kai Hesselmann in Voices of M&A
Es gehört zu den auffälligsten Sätzen, die in diesem Jahr am Rande der M&A Excellence Days fallen, und sie kommen ausgerechnet vom Gründer eines der bekannteren deutschen M&A-Tech-Unternehmen: „Heute würde ich DealCircle nicht mehr gründen mit dem, was wir machen." Kai Hesselmann, Mitgründer der Hamburger Plattform und Host des Podcasts „Close the Deal", sagt es im Voices-of-M&A-Gespräch ohne Pathos. Er begründet es nüchtern: Longlist-Generierung und Unternehmensdatenbanken seien Commodity geworden. „Wenn man hier eine Runde dreht, spricht man wahrscheinlich mit zehn Providern."
DealCircles Vorteil, sagt Hesselmann, liege darin, seit acht Jahren am Markt zu sein – und in dieser Zeit „extrem viele proprietäre Daten" generiert zu haben, die heute Differenzierung erlauben. Der eigentliche Punkt ist aber ein anderer: Das Tempo, mit dem KI die Tool-Landschaft des M&A-Geschäfts neu sortiert, ist atemberaubend. Hesselmann erinnert an ein White Paper, das DealCircle 2020 zur Digitalisierung des M&A-Marktes verfasste. Damals einigte sich eine Expertenrunde aus Investmentbanken und Mid-Cap-Boutiquen auf den gemeinsamen Nenner: Digitalisierung sei der Einsatz eines CRM-Systems. Und selbst das sei mancherorts skeptisch gesehen worden. Sechs Jahre später sortiert KI das ganze Spielfeld neu.
Programmatisch hat Hesselmann bei der MAED zwei Felder bespielt. Erstens die Technologie selbst, in einer Art Metarolle, die DealCircle aus seiner Vernetzung mit zahlreichen Tool-Providern und über die eigene Medienmarke einnimmt. Zweitens die Unternehmensnachfolge – konkret Search Funds und ETA (Entrepreneurship Through Acquisition). Hesselmann ist Beirat des ETA-Hubs bei UnternehmerTUM, der zuletzt erneut zum besten Startup-Hub Europas gewählten Münchner Initiative. „Lange Zeit unter dem Radar geflogen", sagt er, jetzt mit institutionellen Schwergewichten wie der TU München und der WHU im Rücken.
Den Schlusspunkt bildet seine Marktdiagnose. Es sei nicht einfach, einen Deal abzuschließen – das wisse jeder. Aber Hesselmann nimmt vom MAED ein „wahnsinnig positives und optimistisches Gefühl" mit. Es gebe einen Common Sense, dass die Talsohle erreicht oder durchschritten sei. „Auf einem niedrigen Niveau eine gewisse Aufbruchstimmung."