Dr. Michael Drill in Voices of M&A

Wenn Dr. Michael Drill heute auf seinen Berufseinstieg zurückblickt, beginnt die Geschichte nicht in einem Hörsaal, sondern im Kino. Während des Studiums in der Schweiz sah Drill den Film „Pretty Woman" – Richard Gere als Investmentbanker, Julia Roberts als Hauptdarstellerin – und beschloss, irgendwann diesen Job zu machen. „Ich habe das geschafft", sagt er im Voices-of-M&A-Gespräch nüchtern, „meine Frau heißt tatsächlich Julia." 1993 war das, in Deutschland war M&A noch ein Fremdwort.

33 Jahre später ist aus dem kleinen Frankfurter Büro, das Dr. Drill mit Partnern aufbaute, Lincoln International geworden: 1.400 Mitarbeiter weltweit, 160 Managing Directors, 60 Praktikantenplätze pro Jahr allein in Deutschland, dazu eine eigene „Lincoln University" für die interne Ausbildung. Drei Entscheidungen waren nach Dr. Drills Lesart dafür ausschlaggebend: der frühe Fokus auf Private-Equity-Mandate und Sell-Side, der Aufbau einer globalen Plattform vor 15 Jahren – „wir waren mit die Ersten" – und vor allem die Partnerstruktur, die Leistungsträger über zwanzig Jahre an das Haus bindet.

Doch nicht nur das Geschäft hat sich verändert, sondern auch der Beruf selbst. Dr. Drill schildert es in einem Bild, das hängenbleibt: Vor dreißig Jahren reichte ein „kleines ABC" an Fachwissen, um Kunden zu beeindrucken. Multiple-Analysen entstanden händisch im Keller der Investmentbank, vier bis fünf Tage Recherche für mittelmäßige Ergebnisse. Heute liefert KI dasselbe in zehn Sekunden – akkurater als der menschliche Analyst. Der Glanz des reinen Beraters, sagt Dr. Drill, „verblasst ein wenig". An seine Stelle tritt ein anderer Erfolgsfaktor: Emotionalintelligenz. „Man muss Diplomat sein, man muss Psychologe sein, man braucht das gewisse Einfühlungsvermögen, um Braut und Bräutigam zum Altar zu bringen."

Diesen Satz hört man auch in Dr. Drills Rat an die junge Generation heraus. Excel und Zahlen müssten in den ersten zwei Jahren sitzen, sagt er; danach entscheide das Soziale, das Kommunikative, das Teamplayertum. Wer brenne für die Materie – Handelsblatt freiwillig lese, sich ein Mini-Aktiendepot anlege –, finde im War for Talent ohnehin einen Platz. Auch in einer kleinen Boutique, wenn Goldman Sachs nicht klappt.

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