Ulrike Hinrichs in Voices of M&A
Wer im Frühjahr 2026 die Stimmung der deutschen Private-Equity-Branche einschätzen will, sollte einen Moment Ulrike Hinrichs zuhören. Die Vorständin des Bundesverbands Beteiligungskapital hat dafür im Voices-of-M&A-Gespräch eine pragmatische Antwort parat – und sie steht im interessanten Widerspruch zu dem, was das Sentiment auf den Konferenzfluren häufig vermittelt. „Wenn man sich die Jahreszahlen vom letzten Jahr anschaut, sind die gar nicht so schlecht", sagt Hinrichs. „Auf dem Niveau wie zuvor – und auch auf dem Niveau von vor Corona."
Hinrichs weiß, wovon sie spricht. Viermal jährlich misst der BVK gemeinsam mit der KfW ein Stimmungsbarometer der Branche. Die Werte seien nicht immer gut gewesen, räumt sie ein. Aber das tatsächliche Transaktionsvolumen habe die Skepsis nicht eingelöst. „Wir müssen uns nicht verstecken."
Die spannendere Aussage des Gesprächs liegt jedoch nicht im Status quo, sondern in dem, was Hinrichs für die kommenden Jahre erwartet. Zwei Treiber, sagt sie, seien im Markt bisher nicht eingepreist. Erster Treiber: der Investitionsstau im deutschen Mittelstand. Hinrichs war zuletzt im Mittelstandsdialog der Bundesregierung – und nahm dort einen Befund mit, der sich nicht in PE-Renditemodelle einpreisen lässt: Die Eigenkapitalausstattung deutscher Unternehmen sei vergleichsweise stark, „aber sie werden nicht investiert". Transformation, Digitalisierung, KI brauchten frisches Kapital. Genau hier könne Private Equity als Strukturpartner eintreten. „Insofern wird Private Equity eine entscheidende Rolle spielen."
Der zweite Treiber ist demografisch: die Babyboomer-Nachfolgewelle. „Das ganz große Thema, was noch gar nicht eingepreist ist", sagt Hinrichs. „Wir werden da viel mehr Marktvolumen sehen als das, was im Moment da ist."
Hinzu kommt eine technologische Verschiebung, die der BVK in den eigenen Mitgliedshäusern beobachtet. Einzelne PE-Gesellschaften bauen interne KI-Plattformen, in die sie eigene Daten einspielen, ohne dass diese nach außen abfließen können. Spannend wird es, wenn Hinrichs den Blick auf die eigene Branche richtet: Den BVK gibt es seit 35 Jahren, die Branche steht selbst vor einem Generationenwechsel – und mit ihm vor der Frage, wie die jüngere PE-Generation, „die anders mit KI umgeht als die Älteren", den Markt prägen wird.
Hinrichs nimmt damit ein leises Aufbruchsgefühl in das Gespräch mit, das es in keiner Branchenpressekonferenz hätte. Sie sagt es nicht so direkt – sie zeigt es lieber an Zahlen, Beobachtungen und den richtigen Aufzählungen.