11.06.2026

Wie W&I-Versicherungen grenzüberschreitende globale Marktführer ermöglichen am Beispiel von M&A-Transaktionen in EMEA

Wie W&I-Versicherungen grenzüberschreitende globale Marktführer ermöglichen am Beispiel von M&A-Transaktionen in EMEA

Emergers

Im April 2026 wurde die geplante Fusion zwischen KONE Corporation, einem globalen Marktführer in der Aufzugs- und Fahrtreppenbranche, und TK Elevator, einem weltweit führenden deutschen Unternehmen für vertikale Mobilität und urbane Transportlösungen, bekanntgegeben. Das Transaktionsvolumen beträgt 29,4 Mrd. EUR in Form von Cash und KONE-Aktien. Das primäre Ziel bei der Fusion ist es, die jeweiligen geografischen Stärken (KONE in Asien, TKE in den USA) sowie ihre technologische Expertise zu einem global führenden Unternehmen zu vereinen. Durch die Zusammenführung sollen Synergien in Höhe von rund 700 Mio. EUR realisiert werden.

Wesentlich für das Zustandekommen dieser Transaktion war die von Aon arrangierte W&I-Versicherung (Warranty & Indemnity). Diese M&A-Versicherung schützt bei Verstößen gegen vertragliche Garantien vor finanziellen Verlusten. Lars Forsstedt, Aons Co-Head für Transaction Solutions im EMEA-M&A-Geschäft, ordnet sie als eine der größten in EMEA umgesetzten W&I-Versicherungen ein, da zur Deckung dieses Volumens ein Großteil der europäischen W&I-Versicherer eingebunden werden musste. Auch Dominic Rose, Leiter des Corporate Client M&A-Geschäft von Aon in EMEA, betonte, dass die Transaktion die Leistungsfähigkeit des Versicherungsmarktes sowie die Bedeutung strategischer Beziehungen zu Versicherern unterstreiche. Die Fusion hat gezeigt, dass der W&I-Markt in EMEA die Voraussetzungen für bedeutsame, grenzüberschreitende M&A-Transaktionen erfüllen kann.

Daten über M&A-Transaktionen und die dafür abgeschlossenen W&I-Versicherungen sind kaum öffentlich verfügbar. Um dennoch ein Bild der Leistungsfähigkeit des W&I-Marktes in EMEA skizzieren zu können, wird im Folgenden beispielhaft eine anonymisierte Transaktion aus 2025 dargestellt, für die der führende Versicherungsmakler Marsh die W&I-Versicherung strukturiert hat.

Mit einem versicherten Risiko von 1,2 Mrd. USD gilt die Transaktion mit einem EV von 10 Mrd. USD als eine der größten in Europa im letzten Jahr versicherten Private-Equity-Secondary-Transaktionen. Sie hat gezeigt, dass W&I-Lösungen nicht nur bei klassischen M&A-Buyout-Transaktionen eingesetzt werden können, sondern ebenso dann, wenn komplexe, maßgeschneiderte Lösungen für assetspezifische Risiken erforderlich sind, etwa bei der Übertragung in Continuation Vehicles. In solchen General-Partner-geführten Secondary-Strukturen fehlen eindeutige Haftungsverhältnisse zwischen Käufer und Verkäufer, stattdessen müssen Interessenkonflikte zwischen General Partnern, bestehenden Limited Partnern und neuen Investoren überwunden werden. Die W&I-Versicherung schafft eine neutrale Haftungsstruktur und erhöht Transparenz und Vertrauen, sodass der erfolgreiche Abschluss einer Transaktion erleichtert wird. Bei der angesprochenen General-Partner-geführten Secondary-Transaktion mit dem Versicherungsmakler Marsh kam zusätzlich eine weitere Komplexität hinzu: Es musste eine W&I-Versicherung konstruiert werden, die beide Strukturen (Buyout und Secondary) abdecken könnte. Dennoch konnte auch diese Schwierigkeit bewältigt werden. Dies ist ein Zeichen dafür, dass der EMEA-W&I-Versicherungsmarkt auch bei komplexen Anforderungen handlungsfähig ist.

Für das kommende Jahr ist davon auszugehen, dass W&I-Versicherungen weiterhin ein wesentlicher Bestandteil großer M&A-Transaktionen in EMEA bleiben. Der Markt dürfte aufgrund hoher erwarteter M&A-Aktivität, zahlreicher PE-Transaktionen und verbesserter Finanzierungsbedingungen weiterwachsen. Zurzeit werden sich die Versicherungen hinsichtlich Preissetzung und Umfang sowie Qualität der Versicherung noch vorteilhaft für den Versicherungsnehmer auszeichnen. Dennoch ist aufgrund erhöhter Schadensvolumina in 2025 mittel- und langfristig mit steigenden Versicherungsprämien zu rechnen. W&I-Versicherungen gelten im Transaktionsprozess längst nicht mehr nur als optimales Zusatzinstrument, sondern tragen als entscheidende Komponente zum erfolgreichen Abschluss der Transaktionen bei. Dementsprechend werden W&I-Versicherungen im Einsatz bleiben und möglichst früh im Verhandlungsprozess eingebunden werden.

EMERGERS-Autorin: Julia Sonntag

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